SIEGFRIED MÜLLER ERZÄHLT WIE ES FRÜHER IN OLDENDORF WAR - 

Was haben wir gespielt? Ich schreibe von der Zeit Ende der 40ziger – Anfang der 50ziger Jahre, ich war 6 – 10 Jahre alt und wohnte in der Osterwalder Str. 2, heute Dr. Reich, und später im Hohen Feld.

Das Hohe Feld hieß damals noch Koppelweg und war ein unbefestigter Feldweg, ebenso die Stichstraße zwischen Heerstraße und Osterwalder Straße.Bild 1

Gespielt wurde auf der Osterwalder Straße, denn Autos fuhren sehr selten. Aber täglich kamen zwei Pferdefuhrwerke, die dem Holzwerk Osterwald gehörten. Schwere Kaltblüter zogen Anhänger, die mit Buchen- und Eichenstämmen aus den umliegenden Wäldern beladen waren und bei Bock zu Parkett verarbeitet wurden. Diese Fuhrwerke störten uns aber nicht, vielmehr bewunderten wir die starken Pferde, wie sie die schweren Anhänger zogen.Bild 2

Ja, was spielten wir? Es wurden Verstecken und Kriegen gespielt, ebenso Fußball, aber nicht mit Lederbällen, dafür mit kleineren Gummibällen, die aber auch schön weh taten, wenn man einen Schuss an die nackten Beine bekam. Allerdings war die Lebensdauer dieser Bälle aufgrund ihrer geringen Qualität sehr begrenzt, es war Nachkriegszeit. Wir schlugen Pindopp, vielleicht besser als Kreisel bekannt. Man benötigte einen Stock, den man von einem Busch oder Baum schnitt, befestigte daran einen Bindfaden, den man um den Pindopp in die dafür vorgesehenen Kerben wickelte. Nun zog man kräftig an dem Stock und wenn man es richtig gemacht hatte, tanzte der Pindopp. Mit Schlägen der Peitsche versuchte man den Pindopp möglichst lange am Drehen zu halten. Kippte er um, begann das Spiel von neuem.

Die Jungen schlugen Reifen. Wir nahmen das unbereifte Rad eines Fahrrades und trieben dieses mit einem Stock auf der Straße vor uns her. Die Mädchen spielten Hinke- oder Huckekasten. Mit Hilfe eines Steines wurden quadratische Felder auf die Straße gemalt,  in denen die Mädchen hin und her hüpften; ich meine manchmal wurde dabei auch ein Stein o. ä. mit dem Fuß hin und her geschoben. Hier setzt meine Erinnerung etwas aus, denn wir Jungen spielten so ein Mädchenspiel selbstverständlich nicht.

Wir spielten auch mit Autos. Mein Bruder Dieter und ich hatten zu Weihnachten von unserem Onkel Heinz Köhler, der damals in unserem Haus mit wohnte, jeder einen von ihm aus Holz gebastelten Trecker mit Anhänger geschenkt bekommen. Ein tolles Spielzeug! Sobald es Frühjahr wurde, malten wir auf unserem Hof Straßen auf die Erde, andere Jungen aus dem Dorf kamen auch mit ihren Spielzeugen und es wurde auf den Knien die Autos und Trecker über den Hof geschoben. Je schwerer die Fahrzeuge beladen waren, desto mehr stieg der Lärmpegel der „Motoren“.

Aber auch junge Männer spielten auf dem Hof. Der Sportplatz war seinerzeit unter dem Wald hinter der Glashütte. Hier wurde neben Fußball auch Feldhandball gespielt, Hallenhandball gab es in Ermangelung von Hallen noch nicht. Ferner fanden die Bundesjugendspiele dort statt, damals hießen sie noch Sportfeste. In unserem Haus wohnten auch August Wilhelm und Ernst Friedrich Kellermann, die mit anderen Männern Handball spielten.

Da man den weiten Weg zum Sportplatz scheute, nicht jeder hatte damals ein Fahrrad, fand das Training des Öfteren bei uns auf dem Hof statt. Mein Vater hatte vom Zimmermeister Grupe ein größeres Holzhaus aufstellen lassen, was den Handballern als Tor diente. In der Mitte befand sich eine Tür, links und rechts daneben je ein Fenster, welches mit Drahtglas verschlossen war. Auf dieses Tor wurde geworfen. Wenn der Torwart nicht hielt, hallte es wie ein Kanonenschuss über den Hof. Der Ball traf leider auch die Fenster, innerhalb kürzester Zeit war das Drahtglas zerschossen und wurde gegen Bretter ausgetauscht.Bild 3

Anfang der 50ziger Jahre spielten wir Jungen Autozählen. Wie bitte? Ja, wir setzten uns beim Kriegerdenkmal auf eine vorhandene Bank und zählten Autos auf der Heerstraße. Der eine die von Benstorf kommenden, der andere die von Hemmendorf. Es wurde eine Zahl festgelegt, z. B. 10. Wer zuerst auf seiner Seite die Zahl erreicht hatte, hatte gewonnen. Das konnte sich hinziehen, denn wer hatte schon ein Auto? - Was tat man nicht alles um sich die Zeit zu vertreiben!

 

 

Siegfried Müller   03.03.2018

 

Siegfried Müller ist ein "Oldendorfer Kind" wie man so schön sagt. Er ist Oldendorf immer treu geblieben und wohnt auch noch heute in dem damals neu erbauten Haus, welches man in der nebenstehenden Aufnahme hinten sehen kann. Vorne, am Dreieck unter dem Baum, wurden die Autos gezählt.

 

Fotos aus unserem Archiv CHP