Familie Gülke

Den Bürgermeister von Oldendorf erreichte 1996 ein Brief aus Osterröhnfeld bei Rendsburg, der mir als Hobby-Chronistin von Oldendorf erst Jahre später durch Zufall in die Hände fiel. Leider war das Bild, welches der Schreiber beigefügt hatte nicht mehr dabei.

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Das Gemälde vom Gasthof zur Krone

Ich wurde neugierig, da der Schreiber des Briefes mitteilte, dass seine Vorfahren aus dem Gasthof an der B1, Ecke Osterwalder Straße stammen würden und er auf einer Dienstreise nach Hameln das Geburtshaus seines Großvaters in Oldendorf aufgesucht hätte. Ein Gemälde des Gasthofes hätte sein Großvater vor 100 Jahren malen lassen und dieses Gemälde würde sich noch heute in seinem Besitz befinden.

Auf dem Foto die Großeltern von Dr. Volquards und seine Mutter mit Geschwistern

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Nach Suche im Jahr 2017 fand ich tatsächlich die Anschrift mit Telefonnummer im Telefonbuch und setzte mich mit dem Schreiber telefonisch in Verbindung. Dr. Volquardts, so heißt der Herr, erzählte mir, dass sein Großvater eine Ahnentafel erstellt hätte, woraus hervorgeht das seine Vorfahren eine alte Oldendorfer Familie Gülke sei, die man bis 1592 zurück verfolgen könnte.
Nach unserem Gespräch schickte mir Herr Dr. Volquardts Auszüge aus seiner Ahnentafel und Ausschnitte aus dem Lebenslauf seines Großvaters, sowie eine Fotografie des Gemäldes, des besagten Gasthofes „Zur Krone“ zu. Ohne groß darüber nachzudenken ging ich damals davon aus, das mit dem Gasthof „Zur Krone“ alles seine Richtigkeit hätte, bis der Gasthof zum Verkauf stand. Hier wurde das Baujahr mit 1906 angegeben, da kamen mir Zweifel und ich fing genauer an zu forschen und fand heraus, dass der Gasthof zwar etwas mit der Familie Gülke zu tun hatte, aber nicht das Geburtshaus des Großvaters Gülke sein konnte.

Familie Gülke – eine alte Oldendorfer Familie:

  • Heinrich August Friedrich Gülke * 13.04.1856 in Oldendorf
    †03.03. 1942 in Osterröhnfeld stammt vom - Hof Nr. 60 -
  • Gülke Heinrich, in Oldendorf 1592
  • Gülke Christophel † 1657 - Hof Nr. 53 - Altarist 1672-1680
  • Heinrich Gülke * in Oldendorf um 1658, † 04.01.1735
  • Krüger und Bödener, heiratet 1683
    Liesabeth Wißmer * um 1645 † 02.04.1690
    sie ist die Witwe von Bernd Eigenwald
    durch sie wird Heinrich Gülke Krugwirt und Eigentümer
    des - Hofes Nr. 60 -
    aus dem sämtliche Gülkes stammen
  • Gülke, Cord Hermann * 31.01.1704 in Oldendorf † 04.07.1741 in Oldendorf
  • Gülke, Cord Heinrich * 26.03.1735 in Oldendorf † 13.03.1816 in Oldendorf
  • Gülke, Johann Christian Ludwig * 26.11.1769 in Oldendorf † 06.02.1841 – Bödener u. Leineweber
  • Gülke, Christian, Ludwig * 16.11.1812 † 06.06.1869 - Maurermeister und Gastwirt
    Verheiratet Oldendorf 28.04.1842 mit Johanna Justina Louise Paland, geb. in Marienhagen *25.03.1816 † 05.09.1886 in Oldendorf
  • Gülke, Heinrich August Friedrich * 13.04.1856 in Oldendorf † 03.03.1942 in Osterröhnfeld
    Hotelbesitzer in Rendsburg/Holstein

Letzter ist der Großvater von Dr. Georg Volquardts – von ihm zur Verfügung gestellte Daten:

Lebenserinnerungen von meinem Großvater Heinrich August Friedrich Gülke * 13.04.1856
in Oldendorf - † 03.03.1942 in Osterröhnfeld:

'Im Jahre 1856 am 13. April wurde ich als siebtes Kind meiner Eltern geboren in Oldendorf Kreis Hameln Provinz Hannover.
Mein Vater war Maurermeister, außerdem hatten wir einen Gasthof, welcher von meiner Mutter hauptsächlich bewirtschaftet wurde. Wir hatten auch die Post für den Ort, sowie Baustoffe, Achsenfett und . . . . .
Die Briefe wurden von mir und meinem Bruder ausgetragen.

Mein Vater starb im Jahre 1869 an den Folgen einer starken Erkältung. Wir, die letzten drei Kinder, besuchten noch die Schule. Die fünf ersten Geschwister waren früh gestorben.
Meine Absicht, mich dem Baufach zu widmen, gab ich auf, da mein Bruder, der zwei Jahre älter war, sich dem Baufach zugewandt hatte. - Da ich nun dazu ausersehen war, später den Gasthof zu übernehnen, so reifte in mir der Gedanke, mich dem Gastwirtsgewerbe zu widmen.'

Der Überlieferung nach verzichtete er auf sein Erbe in Oldendorf zu Gunsten seiner Schwester, die einen Funke heiratete. So ging der Gasthof an die Familie Funke. Dieses war vielleicht im Jahre 1886, in dem meine Mutter starb.

Obiges aus dem handgeschriebenen Lebenslauf. Der Großvater wurde erfolgreicher Hotelier und besaß später das Hotel Green in Rendsburg.

2019 schickte mir Dr. Volquardts einige alte Negative: Auf dem Papiertäschchen stand: Oldendorf – Geburtsort von August etwa 1939. Er hätte diese beim Aufräumen gefunden und könnte da eigentlich nichts mit anfangen. Vielleicht wäre da etwas drauf, was für die Oldendorfer Chronik interessant sein würde. Ich erkannte nur die Oldendorfer Kirche und den Giebel des ehemaligen Gasthofes „Zur Krone“. Blieb neugierig, aber wo konnte man noch alte Negative entwickeln lassen? Schließlich wagte sich meine Mitstreiterin daran und wir waren einen Schritt weiter, wußten aber auch beide nicht um welche Gebäude es sich handeln könnte, da viele alte Fachwerkhäuser inzwischen nicht mehr da oder verkleidet sind. Etwas hatte mir Herr Dr. Volquardts aber mitgeteilt, dass seine Vorfahren von zwei verschiedenen Höfen in Oldendorf kamen. Unter anderem kam auch der Hof Nr. 60 in der Dorfstraße infrage. Dieser (lange Zeit war hier die Volksbank) wurde ca. Mitte der 1950er Jahre insgesamt verkleidet, sodaß ich das Gebäude in seinem ursprünglichen Fachwerk gar nicht kannte. Nach großen Ausdrucken und einigen Nachfragen bei alten Oldendorfern erkannten diese tatsächlich bei den zwei Bildern den Hof Nr. 60 - heute Dorfstraße Nr. 30 in seiner Ursprungsform wieder. Hier war laut Dr. Volqurdts alten Ahnentafeln tatsächlich wohl mal eine Krugwirtschaft. Das ist um 1700 gewesen. ***(siehe unten) 1866 gab es den Gülkeschen Krug anscheinend noch, aber darüber weiß heute niemand mehr etwas, bzw. gibt es keine weiteren  alten Aufzeichungen. Nur soviel geht außerdem aus den alten Aufzeichnungen von Adolf von Einem hervor, das diese besagte Familie Gülke über Land an der Chaussee verfügte. (Chaussee die B1- alte Herrstraße). Auf diesem Land wurde der „Gasthof zur Krone“ dann wohl 1906 von der Schwester des Großvaters gebaut, welche einen Funke heiratete.
Eines ist ganz sicher: Die Familie Gülke ist eine ganz alte Oldendorfer Familie, aber bei dem Gemälde des alten Gasthofes welches Dr. Volquardts in seinem Besitz hat, handelt es sich auf gar keinen Fall um das Geburtshaus seines Großvaters.
Der Gasthof „Zur Krone“ war zwar auch im Besitz seiner weiteren Familienangehörigen, die alle aus dem alten Hof Nr. 60 hervor gingen, aber nicht so wie der 90 jährige bisher immer angenommen hatte.
Auch ich habe sehr lange gebraucht um die ganze Geschichte nachvollziehen zu können. Dr. Voquardts schickte mir in seinem letzten Brief 2021 noch einen kleinen handgeschriebenen Zettel zu. Auf diesem steht, was laut seinem Großvater (Heinrich August Friedrich Gülke geb. 13.04.1856 in Oldendorf, gest. 03.03.1942 in Osterröhnfeld bei Flensburg) unter der Verkleidung des alten Hofes Nr. 60 über dem alten Torbogen als Inschrift stehen soll:

Christian Gülke - Justina Paland den 25. Mai 1848

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Die entwicklten Negative vom alten Hof Nr. 60

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 Das Haus in der Dorfstraße heute

Den Namen Gülke gibt es in Oldendorf relativ häufig, wie und ob die einzelnen Familien zusammen gehörten, dazu wäre allerdings eine sehr aufwendige Suche in den alten Kirchenbüchern nötig.

Auszug aus Oldendorf und seine Höfe von Adolf v. Einem: Im Jahre 1858 stellten 78 Hofbesitzer den Antrag auf Verkoppelung. Verhandlungen,
Vermessungen, die Durchführung der Begradigung der Hildesheimer Straße und der Saale, die Auseinandersetzung der drei Schäfereien und anderes mehr wurden durch die Beurkundung des ,,Recesses" betr. die Abfindung der Feld- und Wiesenweide, die Teilung der Gemeinheiten und Hütungs-Äquivalenten und die Verkoppelung vor Oldendorf, Amt Lauenstein am 4.12.1866 im Gülkeschen Kruge in Oldendorf abgeschlossen. (***1866 gab es den Krug in der Dorfstraße also noch).  Es wurden die Hof- und Baustellen, das Garten- und Ackerland, die Wiesen und Anger mit insgesamt 2375 Morgen erfaßt. - Und Weiteres über den Hof Nr. 60.

Text von CHP
Anmerkung: Danke an Dr.Volquardts für das uns überlassene Material – Aus einem Nachlaß befinden sich in unserem Archiv inzwischen weitere alte Fotos vom Haus Nr. 60 – siehe Oldendorf und seine Höfe von Adolf v. Einem - Siehe auch Artikel in der DWZ 2021

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