STEINPLATTENZÄUNE IN OLDENDORF

In Oldendorf gibt es eine Besonderheit, die man sonst in Niedersachsen nur noch im Raum Aerzen und im Landkreis Holzminden findet. Es sind  Steinplattenzäune, die es noch heute rund um den Pfarrgarten und umliegende Grundstücke gibt.

2015

 

 

Im Ortskern, nur wenige Meter voneinander entfernt, kann man gleich drei dieser außergewöhnlichen Einfriedigungen finden. Der längste und auffälligste Steinplattenzaun steht am Kirchweg und umgibt das Grundstück des Pfarramtes bis zur Schulstraße. Ganze 106 Meter ist dieser 'Zaun' mit seinen regelmäßig ausgeformten, eckigen Kanten lang.

 

 

Eilitz

 

 

 

 

Gegenüber dem Pfarrgarten, auf dem Grundstück Am Kirchweg 3 bei Familie Eilitz, zur Schulstraße hin, befindet sich der nächste Steinplattenzaun in einer Länge von 11 Metern.

 

 

Kassel 1

Kassel 2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zwei Steinplattenzäune findet man in der Schulstraße Nr. 4 bei Familie Kassel in einer Länge von acht und zehn Metern. Diese Platten sind aber unregelmäßig geformt und neigen sich zur Straße hin.

Eines haben die Steinplattenzäune aber gemeinsam, sie stehen teilweise bis zu zwei Meter tief in der Erde. Diese Erfahrung konnten Rosa und Peter Eilitz bei den Restaurierungsarbeiten des ehemaligen Bauernhofes Alfred Schottel machen, da eine Esche mit ihren Wurzeln einen Teil des Steinplattenzaunes vollständig verdrängt hatte.

Die Zäune bestehen aus Osterwalder Sandstein und wurden wahrscheinlich im 18. Jahrhundert errichtet. Genau vor 340 Jahren erging eine Anweisung von Herzog Johann Friedrich von Hannover an seine Untertanen. Er ordnete an künftig auf Holzeinzäunungen zu verzichten, da der Rohstoff Holz in der damaligen Zeit knapp geworden war. Die Bevölkerung folgte dem Befehl und setzte statt Holzzäunen Steinplatten um ihre Grundstücke und auch Friedhöfe und Äcker wurden teilweise so eingezäunt.

Harte Arbeit und mancher Tropfen Schweiß für Mensch und Tier stecken in diesen wunderschönen alten Steinplattenzäunen. Die Platten wurden in den damals umliegenden Steinbrüchen per Hand gespalten und dann mit Pferdefuhrwerken an Ort und Stelle gebracht und wie oben schon erwähnt bis zu zwei Meter tief eingegraben. Auch dieses geschah zur damaligen Zeit natürlich per Hand.

Es gab mit Gewißheit in Oldendorf noch viel mehr dieser alten Zäune welche aber nach und nach verschwanden. Aus mir von Frau Ursula Williams, geb. Blume (sie lebt in England) zur Verfügung gestellten Fotos von 1963 geht hervor, dass es damals in der Hagenstraße/Ecke Hagenbrink auch so einen Steinplattenzaun gegeben hat. Leider ist die Qualität des Fotos nicht besonders gut, aber man kann diesen Zaun vor dem damaligen Grundstück Keese erkennen. Grundstck KeeseMit EisenOhne EisenTorGerade aus

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die im Ortskern noch erhaltenen alten Steinplattenzäune sind wirklich etwas ganz Besonderes und sollten unbedingt gepflegt und erhalten bleiben. Das erste Bild (oben) wurde im April 2015 aufgenommen, da hatte der Grenzbeziehung- und Heimatverein eine gründliche Pflege vorgenommen. Die  Fotos aus Oktober 2018 zeigen, dass inzwischen wieder alles sehr zugewachsen ist.

In Aerzen stehen die Steinplattenzäune unter Naturdenkmalschutz. Mir ist nicht bekannt ob die Oldendorfer Zäunen ebenfalls unter Naturdenkmalchutz stehen. Die Steinplattenzäune vermitteln mit der im Hintergrund stehenden Nicolai Kirche aus dem 12. Jahrhundert ein wunderschönes Dorfbild von Oldendorf. Abgerundet wird dieses Bild durch die Fachwerkhäuser der Familie Eilitz.

Schauen Sie bei Ihrem nächsten Spaziergang durch Oldendorf einmal genauer hin und lassen Sie die schönen Steinplattenzäune auf sich wirken.

Anmerkungen : Steinplatten – Sandstein

Der Sandstein wurde für Bodenplatten in Kirchen, Schlössern, Rathäusern, aber auch für Stallungen, Werkstätten und Wege verwendet. Die Grabsteine auf den Friedhöfen waren aus Sandstein, ebenso wie Zäune, Mauern, Brücken, Straßenbeläge, Treppenaufgänge oder Grenzsteine.

Die Arbeit im Steinbruch war körperlich sehr anstrengend und gefährlich. Herabstürzendes Gestein, Sprengungen, Abbrüche oder Absplitterungen beim Spalten der Blöcke waren oft Ursache für Verletzungen. Gearbeitet wurde draußen bei jeder Witterung. Dies und die hohe Staubbelastung führten bei den Arbeitern häufig zu Erkrankungen der Atemwege wie Asthma oder Staublunge. Diese körperlich sehr belastende Arbeit hatte in früheren Zeiten eine relativ niedrige Lebenserwartung der Steinbrucharbeiter zur Folge.

Im 18. und 19. Jahrhundert war das Steinbruchgewerbe staatlich geregelt. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts gab es private Steinbruchunternehmen mit größeren Abbaugebieten, mit vielen Arbeitern, Lorenbahn, eigenem Sprengmeister, überdachten Arbeitsbereichen und Werkplätzen außerhalb des Steinbruchs.

Nicht alle ehemaligen Steinbrüche sind heute noch in der Landschaft zu sehen. Früher wurden Steinbrüche, nachdem der Abbau beendet war, häufig wieder mit Abraum, Bauschutt oder Gartenabfällen verfüllt und mit Mutterboden abgedeckt.

Seit wenigen Jahrzehnten werden aufgegebene Steinbrüche nicht mehr mit Abraum aus anderen Steinbrüchen oder Bauschutt verfüllt, sondern der Natur überlassen, um zahlreichen Tieren und Pflanzen einen neuen Lebensraum zu bieten.

Noch etwas zu diesem Thema: Wer weiß wo noch alte Steinplattenzäune in Oldendorf gestanden haben? Gibt es in irgend einer Schublade vielleicht auch noch alte unentdecke Fotos? Setzen Sie sich über unsere Mail-Adresse mit uns in Verbindung. - Danke -

Fotos und Text von CHP