DEWEZET01.03.2016

Hier der Text des Artikels:

Gefunden: Oldendorfs 100 Jahre alte Schulchronik

Aufzeichnungen von Lehrer Julius Wallis enthalten auch die „Brennessel-Verordnung“ / Christel Piehl lässt jetzt erst die Sütterlinschrift übersetzen

Oldendorf. Die lange vermisste Oldendorfer Schulchronik ist nun gefunden worden. Christel Piehl freut sich riesig, denn endlich kann sie nun an der Fortschreibung arbeiten. Viele Leute hatte Christel Piehl immer wieder nach dem Verbleib einer von dem Lehrer Julius Wallis verfassten Schulchronik aus den Jahren um 1910 gefragt, doch niemand konnte ihr weiterhelfen. Auch das Stöbern auf Dachböden und in Kellern blieb erfolglos. „Irgendwo muss sie aber sein“, war die Hobbychronistin überzeugt. Ihre Hartnäckigkeit sollte sich auszahlen, denn die alten Aufzeichnungen wurden kürzlich auf dem Dachboden der Grundschule im Saaletal von der Schulsekretärin gefunden – pünktlich zum „Puttappel-Abend“ des Vereins für Grenzbeziehung und Heimatpflege Oldendorf. In dieser vor zwei Jahren von Erika Rasch, der Vereinsvorsitzenden, ins Leben gerufenen Reihe sollen in Vergessenheit geratene Geschichten und Begebenheiten wieder lebendig werden, um sie den folgenden Generationen zu erhalten. Klar, dass diesmal die Schulchronik im Mittelpunkt stand.

Ein besonderes Augenmerk wurde auf die „Brennessel-Verordnung“ gelegt. Darin heißt es: „Auch Nesselfasern haben erfreulicherweise den Beweis geliefert, dass die fabrikmäßige Verarbeitung möglich ist und die Faser einen vorzüglichen Ersatz für die Baumwolle darstellt. Das Sammeln der Brennnessel ist daher eine vaterländische Pflicht und von großer Bedeutung für die Versorgung unseres Heeres“, so der Appell des damaligen Hamelner Landrats in seinem Schreiben vom 20. Juni 1917. Die Bevölkerung, allen voran die Jugend, war aufgerufen, Brennnesseln zu sammeln und abzuliefern, damit aus den Fasern schnellstmöglich Kleidung für die Soldaten hergestellt werden konnte. Was aus der Not heraus praktiziert wurde, aber auch schon im Mittelalter und in dem Märchen „Die sechs Schwäne“ bekannt war, gilt heute als der neueste Bio-Mode-Schrei.

Weil die Chronik von Wallis vorwiegend in der Sütterlinschrift verfasst ist, wird Christel Piehl sie nun von einem schriftkundigen Team „übersetzen“ lassen. Einiges ist bereits auf der neuen, von Christel Piehl betreuten Website des Heimatvereins zu lesen (www.oldendorf-im-saaletal.de).

„Unsere bisherigen Puttappel-Abende haben nicht nur viele Geschichten ans Tageslicht gebracht, sondern auch etliche Dokumente und historische Fotos“, freut sich Erika Rasch. Erst kürzlich seien ihr von einem Bürger einige Dokumente aus dem Jahr 1608 zur Verfügung gestellt worden. Der Fundus sei inzwischen so groß, dass ein Raum gesucht werde, in dem alles „unter einem Dach“ aufbewahrt werden könne.

Kontakt: Weiterhin suchen Erika Rasch (Tel. 05153/7504) und Christel Piehl (05153/ 7609) historische Fotos und alte Aufzeichnungen aus Oldendorf.

Christiane Stolte

Quelle: Deister- und Weserzeitung, Hameln 01.03.2016                                                                                    

Schulklasse 1915