BRAUCHTUM - SAGEN - ABERGLAUBE - MÜNDLICHE ERZÄHLUNGEN

Brauchtum im Altag

Vieles ist inzwischen verloren gegangen, aber auch noch einiges altes Brauchtum erhalten geblieben.

So gibt es noch heute einige Arbeitsbräuche, zum Beispiel bei der Grundsteinlegung öffentlicher Gebäude werden neben den feierlichen drei Hammerschlägen, Urkunden und andere Zeitgenössische Dokumente in den Grundstein eingemauert. Das Richtfest, früher „Hausburge“ genannt, wird nachdem das Dachgerüst vom Zimmermann errichtet ist, mit der Setzung des Richtekranzes, feierlichen Ansprachen der Bauhandwerkern und sonst am Bau Beteiligter mit nachfolgendem Richtschmaus begangen. Alte Arbeitsbräuche sind nicht mehr lebendig. Wie sollten sie sich auch fortpflanzen, nachdem es die alten Zünfte nicht mehr gibt. Der Schornsteinfeger trägt zum Beispiel schon lange nicht mehr seinen trationellen Zylinder, nur den Zimmermann sieht man noch hin und wieder mit seiner weiten schwarzen Manchesterhose und dem breitkrempigen Hut.

Da gibt es alte Bräuche bei der Geburt und der Taufe die nicht mehr gepflegt, aber bei der  Einschulung sowie bei Hochzeiten teilweise noch fortgesetzt werden. So wie wir auch noch die Laternenumzüge der Kinder, das Martinssingen, die Gaben zum Erntedankfest und andere alte Bräuche im täglichen Leben finden können.

Sagen

Sagen

Nach Aussage professioneller Volkskundler lassen sich Sagen – ihrer Herkunft, Thematik und Entstehungsgeschichte entsprechend – drei unterschiedlichen Gruppen zuordnen. Die Rede ist von Volks- Götter- und Heldensagen. Ein Schwerpunkt sind die Erfahrungen mit Tod, Pest, Krieg, Krankheit und wundersamen Rettungs- und Heilungsvorgängen. Besonders tief haben sich auch Schmerz, Wut, Neid, Treulosigkeit und Geldgier – versinnbildlicht durch Drachen, Werwölfe und Dämonen – ins kollektive Unterbewusstsein eingebrannt.

Hier Einiges aus dem Sagenbuch von Ulrich Baum:

Ein Hofspuk in Groß Oldendorf

In Großoldendorf war einst ein Bauer verstorben. Er konnte im Grabe keine Ruhe finden und wandelte als Gespenst dauern auf seinem Anwesen herum. Dabei klirrte er immer mit Ketten. Schließlich wandten sich seine Angehörigen an zwei Kapuziner Mönche, die den Spuck bannen sollten.

Als der erste von ihnen das Gespenst herbei befahl, erschien es sofort. Doch der Mönch hatte keine Gewalt über den Umgehenden, da er mit seiner Schuhspange eine Kornähre abgerissen und dadurch Sünde begangen hatte. Da versuchte es der andere und der hatte mehr Glück. Schon wollte er das Gespenst bannen, als es bat ihm doch einen kleinen Platz an der Hausecke zu lassen. Doch der Kapuziner ging nicht darauf ein. Da flehte das Gespenst ihm doch wenigsten zu erlauben, daß er jedes Jahr einen Hahnenschritt seinem Hofe näher kommen dürfe. Auch diesen Wunsch lehnte der Mönch aber ab. Ließ dafür einen Knecht  vier schwarze Pferde vor einen Wagen spannen und bannte auf den das Gespenst. Dann sagte er dem Knecht: „ Fahre nach dem Osterwalder Berge zu, mache nicht eher halt als bis ich es befehle, aber sieh dich nicht um!“

Als der Knecht über Osterwald war, wurden seine Pferde störrisch und schaumweiß vor Schweiß. Da sah er sich um und sofort war sein Wagen leicht, denn das Gespenst hatte sich nun dem Banne entziehen können. Am nächsten Tage mußte der Knecht die Fahrt mit der unheimlichen Last noch einmal tun. Diesmal sah er sich nicht um. Als der Wagen ganz oben im Berge war, ließ der Kapuziner anhalten und bannte das Gespenst vom Wagen auf die Stelle wo sie hielten. Hier mußte es immer bleiben. Von da ab blieb jedes Fuhrwerk, das diesen Platz passierte, regelmäßig im Boden stecken. -

Die alten Sagen beinhalteten einen „gewissen Beigeschmack des Leiblichen oder wenn man lieber will, des Menschlichen, wodurch sie so mächtig und ergreifend auf uns wirken“. Das Denken und Trachten war von Angst, Unwissenheit und Aberglaube geprägt. Hinter Blitz, Donner und Nebel steckten böse Geister und an Orten, wo sich schroff und eigenwillig geformte Felsen auftürmten oder Wasser aus der Erde sprudelte, waren Elfen und andere wundersame Kräfte am Werk. Die Palette reichte von vorchristlichen Fabelwesen bis zum kirchlich angedrohten Hexeneinmaleins. Aus dem Zusammenleben und Zusammenwohnen mit Felsen, Seen, Bäumen und Pflanzen entspringt bald eine Art von Verbindung, die sich auf die Eigentümlichkeit jeden dieser Gegenstände gründet.

Engel blau beige

Von Riesen und Zwergen - Wie der Kanstein entstand

Einstmals gingen zwei Riesen von Hameln nach Gronau. Als sie hinter Coppenbrügge in der Gegend von Ahrenfeld waren, klagte der eine dem andern:

„Toif 'n lütjen Eogenblick. Eck hewwe 'n lütjen Stei.in in'n Schäau, de-i drücket meck sau.

Eck mott den Schäau ierst mal iuttein.“

Dann zog er seinen Schuh ab und schüttelte ihn zur rechten Seite des Weges aus.

„De-i schöll deck woll drücken“, lachte der andere, denn durch das Ausschütten des kleinen Steines war zwischen Deilmissen, Ahrenfeld und Salzhemmendorf der Kanstein entstanden.

Aberglaube

Im 17 Jahrhundert feierte der Hexenglaube noch gedeihliche Orgien. In Tagwählerei (z.B. beim Antritt einer Stellung oder im Achten auf Unglücks- und Zukunftszeichen, im Kartenlegen und Vertrauen zu Horuskopen) wuchert trotz aller Aufklärung alter Aberglaube weiter.

Teufel

Das Nothfeuer aus dem Buch Ith Sagenland von Ulrich Baum

Als Aberglaube aus heidnischer Zeit kommt auch im Amte Lauenstein der Gebrauch des sogenannten Nodfürs vor. Es wird indes nur bei Schweinen als Heilmittel gegen die Bräune, welche man das wilde Feuer nennt, zur Anwendung gebracht. Das Feuer wird durch Reiben zweier Stücke Holz auf einer Hobel- oder Drehbank hervorgebracht, zuvor aber von dem Ortsvorstande in sämtlichen Häusern des Arts angesagt, das Feuer zu löschen oder verboten bis zu bestimmter Zeit neues Feuer anzumachen. Zu dem auf diese Weise hervorgebrachten Feuers, welches gewöhnlich in einem Hohlwege angemacht wird, um das Vieh bequem durchteiben zu können, bringt jeder Einwohner Holz herbei. Die Schweine werden mit Gewalt hindurchgetrieben und wenn sie vor dem Feuer scheuen von Machern hindurch gezogen oder getragen. Viele nehmen von dem Feuer Kohlen mit sich, um sie den Schweinen zwischen das Futter zu tun. Dieses Nothfeuer wurde von den Oldendorfern noch im Jahre 1845 zur Vertreibung des wilden Feuers angesteckt. - Das wilde Feuer ist wahrscheinlich der Rotlauf der Schweine. -

Musik - Tanz und Lieder

Die alten Volkstänze werden bei uns gar nicht mehr getanzt. Es gibt sie noch in einzelnen verschiedenen Regionen Deutschlands, wo sie wieder neu belebt und einstudiert werden. Auch die alte Volksmusik ist neuzeitlicher Musik und neuen Kapellen zum Opfer gefallen, soweit nicht örtliche Feuerwehrkapellen die Tradition aufrechterhalten und bei Gesangvereinen altes Liedgut gepflegt wird.

Buch offen

Mündliche Erzählungen und alte Literatur

Dieses versucht der Verein für Grenzbeziehung und Heimatpflege in Oldendorf mit seinen „Klönabenden im Winter“ zu erhalten. Hier kann jeder Erlebtes oder Erlauschtes spontan zum Besten geben. Aus unseren Erfahrungen können wir sagen, daß diese Abende sehr gut angenommen werden. Über die Aktivitäten des Vereins, Historisches aus Oldendorf und Einiges mehr,  informieren wir Sie auf der Hompage "Oldendorf im Saaletal". Zusätzlich versuchen wir so viel wie möglich an Material für die Oldendorfer Chronik zu finden und sammeln.

Das Werden und Vergehen der umgebenden Natur haben unsere Vorfahren genau beobachtet. Das Jahr wurde mit einem achtspeichigen Rad gleichgesetzt, das sich um die eigene Achse dreht. Alle zwei Monate begann ein neuer Abschnitt und es wurde ein bedeutungsvolles Fest gefeiert – mal der Sonne, mal dem Mond zugeordnet. Der Übergang wurde als magische Zeit empfunden, in denen schöpferisches Chaos herrschte und die Grenzen verwischten: Geister und Götter traten mit den Menschen in Kontakt. - Ein Blick auf diese magischen Zwischenzeiten hilft zu verstehen, von welchen Elementen viele Sagen und Bräuche – in der Folge auch christliche – Riten und Feste beeinflusst sind.

geschrieben von CHP