„Mostexpress“ – mit dem Handwagen nach Salzhemmendorf

Mit meiner Freundin Thea Keese war ich viel zusammen. Thea wohnte im Haus schräg gegenüber* und war die Tochter von Tischler Keese. Wir spielten oft zusammen und hatten viele gemeinsame Erlebnisse. Ich bin inzwischen 89 Jahre alt, aber dieses Erlebnis ist mir bis heute im Gedächtnis haften geblieben.

 

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 Ursel Blume 1940 auf dem Balkon Haus Möhring mit ihrer Freundin Thea Keese (rechts) – im Hintergrund das Haus Hennecke

Thea mußte öfter zu Hause helfen Als sie etwa 10 oder 11 Jahre alt war gab es eine besonders große Apfelernte. Thea's Mutter hatte einen Handwagen mit Äpfeln vollgeladen und Thea und ich sollten die Äpfel nach Salzhemmendorf zur Mosterei bringen. Thea faßte den Handwagen an der Deichsel und ich schob von hinten. Mit dem, für uns Kinder sehr schweren Handwagen begann für uns ein Abenteuer. Es ging entlang der Hauptstraße in Richtung Hemmendorf und dann weiter nach Salzhemmendorf. Verkehr gab es damals nicht viel auf den Straßen. Zwischendurch machten wir immer mal Pausen, es war ja eine ganz schön lange Strecke. Wie lange wir unterwegs waren ehe wir endlich in der Mosterei ankamen kann ich heute nicht mehr sagen. Dort herrschte reger Betrieb. Die Äpfel wurden dort aus dem Wagen entleert und wir machten uns wieder auf den Heimweg der Gott sei Dank nicht ganz so lange wie der Hinweg dauerte, da der leere Wagen leichter war. Müde, aber auch etwas stolz auf unsere Leistung kamen wir wieder zu Hause an.

Handwagen 

Nach einiger Zeit mußten wir dann aber wieder mit dem Handwagen los. Wieder nach Salzhemmendorf zur Mosterei, aber dieses Mal hatte die Mutter von Thea den Handwagen mit einer Menge leerer Flaschen voll geladen. Es ging los mit den klappernden Flaschen, wieder die Landstraße entlang. Thea zog und ich schob. Der Weg nach Salzhemmendorf schien endlos zu sein, aber irgendwann kamen wir dort an. Die leeren Flaschen wurden durch volle ersetzt und das Abenteuer 'Mostexpress' ging los. Es war ein langer Treck zurück nach Oldendorf, aber wir schafften es gemeinsam und brachten den fertigen, in Flaschen gefüllten Most heil nach Hause.

Man war sehr zufrieden mit uns und es gab ein dickes Lob. Wir aber waren stolz und froh, daß wir diese große Aufgabe so gut gemeistert hatten.

 

* Vor dem Haus Henecke war übrigens noch mindestens bis 1963 ein alter Steinplattenzaun auf dem mein Sohn gerne herum turnte wenn wir in Oldendorf zu Besuch waren. Das untere Foto wurde im Jahr 1963 aufgenommen und zeigt meinen Sohn Martin mit meinem kleine Bruder Andreas

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2019 - Erzählerin dieser Geschichte ist: Ursel Williams, geb. Blume. Nach dem Abitur studierte sie Biochemie. Später war sie als Assistentin an der Universität in der Laborforschung tätig. Sie wurde 1930 in Oldendorf geboren und lebt in England. - Ursel Williams stellte uns diese und ganz viele andere Fotos zur Verfügung. - Ganz herzlichen Dank dafür. -