Erinnerungen an Oldendorf – die kleine Kalkwerkbahn.

Als kleines Kind wohnte ich mit meinen Eltern, Heinrich Blume und Lilli geb. Möhring und meiner Schwester Gisela an der Kreuzung von Heerstraße und Dorfstraße in Oldendorf, schräg gegenüber vom Gasthaus Funke.

Funkes verkauften außer Getränken auch von Frau Funke selbst gemachtes Eis, woran ich mich gut erinnere.

Haus Whler hinten Gasthof Funke 2 jpg

Es war von uns nur ein kurzer Weg zu meinen Großeltern Möhring, wo wir oft zu Besuch waren. Der Weg dahin führte an der Heerstraße entlang, und bei Habenichts links um die Ecke. Opa machte uns manchmal einen Tank aus einer leeren Garnrolle, einem Gummiband und einem Streichholz. Diesen ließ er dann auf dem langen Flur entlang rollen. Manchmal durften wir in Opas Auto mitfahren, auf der Heerstraße entlang, und auf dem Wege zurück von Hemmendorf geschah es mal, daß wir anhalten mußten, weil die Kleinbahn gerade über die Heerstraße fuhr. Diese Bahn machte ein regelmäßiges klapperndes Geräusch. Ich sah sie auch einmal von Möhrings Schrebergarten aus, der hinter dem Friedhof lag und wieder hörte ich das Klappern.

Gisela,UrselGegenüber von Möhrings wohnten Herr und Frau Henneke, wir nannten die beiden Onkel und Tante Henneke. Tante Henneke sahen wir sehr oft. Als ich viereinhalb Jahre alt war, im Frühjahr 1935, zogen wir nach Barsinghausen am Deister. Meine Schwester Gisela und ich schliefen im Kinderzimmer, wir hörten öfter Geräusche, manchmal ein Bellen, das wären die Füchse im Deister, erklärte mir Gisela. Einmal wachte ich auf, und Gisela fragte nach meinem Traum. Ich hatte tatsächlich geträumt, und zwar von der kleinen Bahn in Oldendorf, das hackende Geräusch war mir noch im Ohr, und ich nannte sie "Henneke", ich weiß nicht warum!

Die Jahre vergingen und unser Opa Möhring starb im Mai 1940 an Krebs. Er wurde sehr betrauert, und unsere Mutter verbrachte so viel Zeit wie möglich bei Oma. Ich fuhr mit Heinz in den Ferien nach Oldendorf und es wurde beschlossen, daß ich ein paar Monate allein dort bei Oma bleiben sollte. Nach den Ferien ging ich auch dort in die Schule. Die Kleinbahn sah ich oft, ich wußte aber nicht, warum und wohin sie fuhr.

Gegen Ende des Jahres zog ich zurück nach Hause. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren vorerst alle Schulen geschlossen, aber Ende 1945 zog ich wieder nach Oldendorf und besuchte die Oberschule in Hameln. In jedem Jahr machten wir einen Klassen-Ausflug. Es war, glaube ich, 1948, daß zu meiner Überraschung unser Klassenlehrer, Herr Oberstudienrat Pabst erklärte, daß er für uns eine Fahrt nach Osterwald geplant hätte. Es hing wohl mit unserem Lehrstoff zusammen, daß er das Kalkwerk und den Steinbruch als Ausflugsziel gewählt hatte. Er war unser Chemie-, Physik- und Mathematiklehrer. Wir machten die für mich gewohnte Bahnfahrt von Hameln nach Osterwald. Von da ging es zum Kalkwerk hinter dem Bahnhof. Und - da stand die Bahn! Sie hatte hinter der Lokomotive eine Reihe von leeren kleinen offenen, am Ende etwas abgeschrägten Waggons. Wir stiegen alle in diese Waggons hinein und hielten uns an den Seiten fest. Schließlich zockelten wir los, zur Straße hin, über die Straße und nach links unter der Bahnbrücke hindurch. Danach ging es irgendwie durch die Felder, nach rechts zu bis auf die Heerstraße, die dann überquert wurde. Ich fühlte mich sehr stolz, daß unser Oldendorf so etwas zu bieten hatte. Nach einiger Zeit kamen wir am Steinbruch an.

Bremsst. Grnenplan

Für manche von uns ein neuer Anblick und so etwas einmal aus der Nähe zu sehen und erleben machte uns allen viel Spaß. Schließlich fuhren wir auf unserer 'Allibahn' (wie sie wohl genannt wurde) zurück zum Kalkwerk und machten uns auf den Weg zurück nach Hameln zur Schule.

Erzählerin dieser Geschichte ist: Ursel Williams, geb. Blume. Nach dem Abitur studierte sie Biochemie. Später war sie als Assistentin an der Universität in der Laborforschung tätig. Sie wurde 1930 in Oldendorf geboren und lebt in England. Noch heute erzählt sie begeistert über den Ausflug mit der ' Kleinen Alibahn'.

Februar 2017