OLDENDORFER ORIGINALE - TEIL 2 -

Heinrich Habenicht mit seiner Baskenmütze und der 'Böse August' (Schlüter).

 

Habenicht war in Oldendorf allen bekannt durch sein Geschäft, die Tankstelle, Taxiunternehmen und Fahrschule.

Seine Frau, welche früh verstarb, war bis zu ihrem Tod die gute Seele in dem Geschäft. Es wurde dort mit vielen Dingen gehandelt.

- Siehe unser Artikel unter Handel und Gewerbe: Tankstelle Habenicht. - Unter Anderem konnte man dort auch seine Schlachte- und Gemüsedosen zudrehen lassen.  Das Markenzeichen von Habenicht war die Baskenmütze, ohne die er nie unterwegs war. Und noch etwas, er hatte nur noch ein Auge mit dem er sehen konnte, das Zweite hatte er verloren (wodurch ist mir nicht bekannt) dieses war durch ein Glasauge ersetzt worden.

Seine Freizeit verbrachte er meistens beim „Bösen August“. Mit „Böser August“ war der Gastwirt August Schlüter (Ecke Osterwalder Straße/B 1) gemeint. Vermutlich hat ihn einmal einer wegen seinem grießgrämigen Aussehen so betietelt, denn lachen tat er wohl nie. Wenn jemand vom 'bösen August' sprach wußte jeder wer damit gemeint war.Schlter

Hier saß Habenicht, natürlich mit Baskenmütze auf dem Kopf, stundenlang in einer Ecke am Tresen und schaute sich das Treiben in der Gaststube an. Gesprächig war er auch nicht gerade und somit fielen zwischen dem Wirt hinter der Theke und Habenicht nicht viele Worte. Hin und wieder bestellte sich Habenicht ein Bierchen und manchmal auch noch ein Schnäpschen dazu. Das war dann ein 'Rezept' und es  konnten mit den Stunden schon etliche werden.

Damals gab es in Osterwald die sehr bekannte „Fricobar". Betrieben wurde sie von der Familie Koppenhagen.  Sie war die Stammkneipe der in Osterwald stationierten Amerikanischen Soldaten. Dort ging im warsten Sinne des Wortes, wie man so sagt, am Wochenende immer die Post ab. Hier wurde viel getrunken und nach den Platten  der Musikbox getanzt.

Die Oldendorfer Jugendlichen wollten dort natürlich mit dabei sein, aber wie sollten sie denn dorthin kommen. Ein Auto hatten sie damals nicht. Zu Fuß nach Osterwald mußte nicht unbedingt sein wenn Heinrich Habenicht beim 'Bösen August' an der Theke saß. Natürlich fuhr er die jungen Männer nach Osterwald (trotz des getrunkenen Alkohols, denn Kontrollen gab es so gut wie keine). Auch hier setzte er sich dann wieder in einer Ecke an die Theke und beobachtete bei einem weiteren Bierchen oder Schnäpschen, hin und wieder auch ein 'Rezept', das Treiben. Er wartete oftmals geduldig bis die jungen Männer wieder heimwärts gebracht werden wollten. - Mit oder aber auch trotz der getrunkenen 'Rezepte'.  - Wie schon erwähnt: Polizeikontrollen wegen Alkohol gab es damals nicht. - Telefone womit man hätte anrufen können gab es nur ganz wenige. Ein Taxi bestellen, das ging damals nicht einfach mal so. -

Wie es nun einmal so war, konnte man in den Kneipen immer etwas erleben, auch in der Kneipe beim 'Beim Bösen August' (Schlüter) an der Osterwalder Straße/Ecke B 1.

Pfrtnerhaus Bock

Es verkehrten dort damals viele Männer. Manche hin und wieder, andere ständig. So ein Kneipengänger, welcher hier regelmäßig einkehrte war ein  kleiner, unscheinbarer Mann aus Oldendorf. Er war mit einer sehr stattlichen und resoluten Frau verheiratet und stand wie man so schön sagt: Total unter dem Pantoffel seiner Frau. Er arbeitete bei der Firma Bock.  Den Weg dorthin legte man damals zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurück und kam dabei an der Kneipe vorbei, was doch sehr verlockend war um sich dort einige Bierchen zu gönnen. Die Ehefrau wußte sehr genau, daß ihr Mann diesen Verlockungen nicht wiederstehen konnte. Besonders wenn es die wöchentliche Lohnauszahlung gab, war die Verlockung noch größer. Besorgt holte die Frau ihren Mann dann in der Regel direkt am Werkstor der Firma Bock ab um ihm den Wochenlohn abzunehmen und mit ihm auf direktem Wege nach Hause zu gehen. Es gab nun aber einen besonderen Grund, dass die Ehefrau an einem dieser 'Zahltage' nicht pünktlich vor dem Werkstor stehen konnte um das Geld gleich an sich zu nehmen. - Natürlich konnte der Mann nicht an der Kneipe vorbei gehen, der Zwang dort einzukehren war einfach zu groß. Fröhlich zechend saß er nun in der Kneipe, als mit einen Mal seine stämmige, ziemlich wütende Ehefrau vor ihm stand. Ein Wort gab das andere. Plötzlich packte die Frau ihren Mann mit beiden Händen, hob ihn hoch und hängte ihn an seinen Hosenträgern an einen Eisenhaken. Wozu es eigentlich diesen Haken dort gab hatte sich vorher schon so macher Gast gefragt. In dem Moment erfüllte er aber einen Zweck. Was für den Ehemann gar nicht lustig war, sorgte für große Belustigung bei den vielen Gästen welche dort saßen. Alle, auch der 'Böse August', schauten sich dieses Schauspiel ohne einzugreifen an. Das war Kino ohne Geld! -  Da hing nun das kleine Männchen, wippte an seinen Hosenträgern rauf und runter wie ein Gummiball und bekam von seiner Frau eine tüchtige Tracht Prügel verpaßt, ehe sie ihn aus seiner mißlichen Lage befreite und mit nach Hause nahm.   - Das Trinken ließ er aber trotzdem nicht. -

 

Adolf Heuer  -  'Goldschmied Heuer' -  aus der Schmiede an der Dorfstraße:

Opel Olympia

Sprach man von ihm, so hieß es immer „Goldschmied Heuer“, da wußte jeder im Dorf wer gemeint war. Gut, Schmied war er schon, aber er schmiedete Eisen und kein Gold. Warum hieß er eigentlich überall nur „Goldschmied“? Sicherlich diente es auch dazu gleich zu wissen wer gemeint war, denn es gab noch andere Dorfbewohner mit dem Familiennamen Heuer im Dorf.  'Goldschmied' Adolf Heuer war damals stolzer Besitzer eines  Opel Olympia. Fahrgelegenheiten gab es in den 50er Jahren nicht groß. Wer irgend wo hin wollte fuhr mit dem Fahrrad oder dem Taxi. Taxi Habenicht saß wie oben schon erwähnt unerreichbar  irgendwo in einer Kneipe und wartete auf Kundschaft.

Wenn die jungen Männer aus dem Dorf weiter weg, sprich „Über Land“ wollten, zum Beispiel nach Hameln, hatten sie einfach keine Lust dieses abends oder nachts unbedingt mit dem Fahrrad zu machen. Also was tun? 'Goldschmied Heuer' hatte diese Marktlücke sehr schnell entdeckt. Er verlieh sein Auto, den Opel Olympia, und nahm pro Mitfahrenden 2 D-Mark. Das Auto war  immer voll besetzt, heiß begehrt und eine zusätzliche Einnahmequelle für Adolf Heuer. -

UlrichFritz

 

An diese und noch viele andere Geschichten aus dem damaligen täglichen Leben, der Schul- und Jugendzeit erinnern sich Ulrich Piehl und Fritz Weinbach auch heute immer gerne. Solche Erlebnisse und Geschichten bleiben wach und bringen einen auch nach den vielen vergangenen Jahren immer zum Lachen und Schmunzeln. - Es gibt auf jeden Fall noch eine Fortsetzung -

 

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Text von CHP - Fotos aus unserem Archiv