Frank Wiehler erinnert sich an seine Kindheit in Oldendorf

Ich wohnte  11 Jahre in Oldendorf, von 1945 bis 1956, als Flüchtlingskind aus Westpreußen, mit meiner Mutter (Kriegerwitwe) und zwei älteren Brüdern - auf dem Hof von Richard Heuer.

Wiehler1

1947 wurde ich eingeschult. (siehe Foto). Die nette  Frau Röhrig war die erste Lehrerin, gefolgt  von Herrn Kienitz (weniger nett ! ). Lehrer Wallis erteilte - nach Aufhebung seines Berufsverbots durch die britische Besatzungsmacht - Musikunterricht. Der Sportunterricht fand auf der Straße, gleich neben der alten Schule, gegenüber der Kirche, statt.  Wenn ein Trecker vorbei kam (Autos gab es noch nicht), wurde das Völkerballspiel unterbrochen.
Wir waren über 60 Schüler und Schülerinnen in unserer Klasse. Es war dennoch eine herrliche Zeit.

An die Namen einiger Klassenkameraden auf dem beigefügten Foto kann ich mich noch gut erinnern: Ernstchen Breves, genannt Gandhi,  Dieter Welte, Herbert Rasch, Willi Brandes, Werner Burghardt, Reinhold Scholz, AuWi ... ? . Ich stehe in der ersten Reihe, vierter von links mit schwarzer Hose und  schwarzen Hosenträgern.
1962 machte ich in Hannover Abitur, studierte in Freiburg und USA, arbeitete als Dipl. Volkswirt in der Schweiz und 30 Jahre beim Europäischen Parlament in Luxemburg und Brüssel. Heute lebe ich im Ruhestand.
Gerne denke ich an meine Kindheit in Oldendorf zurück und erzähle meinen Enkeln von den Streichen, die wir damals getrieben haben.

Heuer

Eine Kindheit in Oldendorf

Es muß 1952 gewesen sein. Der Dorfmelder fuhr mal wieder mit seinem Fahrrad und seiner Handglocke durch den Ort und verkündete – vermutlich im Auftrag des Bürgermeisters - die neuesten Nachrichten.
An der Straßenkreuzung, gegenüber dem Wöhlerschen Hof, stieg er vom Rad, läutete seine Glocke und las mit lauter Stimme von seinem Zettel: “Helgoland ist ab heute wieder deutsch ..... !“
Er hatte aber eine weitere Botschaft, die in meinen Augen noch viel wichtiger war: „Wegen der großen Spatzenplage zahlt der Bürgermeister für jeden toten Spatzen 10 Pfennig. Ablieferung der Spatzen und Auszahlung der Prämie im Büro des Bürgermeisters.“
In mir regte sich Jagdfieber.
Viele Spatzen gab es an der Sanderschen Mühle. Die zahlreichen Kinder des Mühlenpächters Scholz besaßen ein Luftgewehr. Im Nu hatten wir über ein Dutzend erledigt, banden sie schön säuberlich an den Füßen zusammen, wie Perlen an eine Schnur und kassierten die Belohnung im Büro des Bürgermeisters. Er hieß Schwenke, wenn ich mich recht erinnern kann.
Im Weggehen sahen wir wie Herr Schwenke sein Bürofenster öffnete und die Schnur mit den Spatzen in hohem Bogen auf den davorliegenden Komposthaufen warf.
Wir taten was nahe lag, sammelten die toten Spatzen bei Dunkelheit wieder ein und kassierten die Prämie erneut. Das ging nicht lange gut, denn schon bald bereiteten die hungrigen Katzen des Bürgermeisters dem Schwindel ein Ende.