DIE MOLKEREI
Im Januar 1898 beantragte Herr Theophil Mann aus Hildesheim eine Genehmigung zum Bau einer Molkerei in Groß-Oldendorf beim Landkreis Hameln. Sie sollte zwischen den Höfen Nr. 44 und 11 entstehen, in der heutigen Hagenstraße.

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Old Molkerei heute

Offizielle Straßennamen gab zu der Zeit in Oldendorf noch nicht, die wurden erst viel später eingeführt. Neue Gebäude wurden fortlaufend nummeriert, daher erhielt die Molkerei  die Hausnummer 112.

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Herr Mann beauftragte die Firma Eduard Ahlborn aus Hildesheim mit der Planung der Anlage. Neben dem Molkereigebäude sollte ein Kesselhaus und ein Schweinestall entstehen. Die Dampfkesselanlage bedurfte einer besonderen Genehmigung. Zahlreiche Genehmigungen zur Anlage und spätere Genehmigungen zum Betrieb mussten erteilt werden, da unterschied sich die preusische Bürokratie nicht von der heutigen. Am 1. Juni 1898 nahm die Molkerei den Betrieb auf. Die ersten Lieferanten waren die Landwirte Bartel, Grimpe, Schottel, Knoke, Wehrmann, Neerhut und Nacke.


Am 1. Juni 1908 teilte Herr Mann dem Landrat des Kreises Hameln mit, das der Betrieb der Molkerei an Herrn Tilo Brandis aus Nordstemmen übergegangen ist. Die Molkerei wird nun auch von dort geleitet. Die Gebäude bleiben aber Eigentum des Herrn Mann.

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Über den Betrieb und die weitere wirtschaftliche Entwicklung ist leider nichts bekannt. Im September 1914 gehörte die Molkerei Herrn Gleich. In den Unterlagen des Landkreises befindet sich ein Schreiben des Kreisarztes Doktor Mennicke mit der Aufforderung an Herrn Gleich einen Kessel zum Erwärmen von Wasser aus dem Raum, der zur Quarkherstellung dient, binnen 3 Wochen zu entfernen. Dort war ein Kessel aus hygienischen Gründen nicht erlaubt. Eine Kopie des Schreibens ging an den Gendamerie-Wachtmeister Zahl in Benstorf. Dieser hatte zu kontrollieren ob der Kessel entfernt wurde. Den Vollzug der Anordnung meldet er dem Landkreis am 14. Oktober 1914.

 
Im Jahre 1934 wurde die Molkerei geschlossen und die Oldendorfer Bauern lieferten nun ihre Milch z. B. an die Molkerei in Eime. Das Molkereigebäude wurde zu Wohnungen umgebaut, der Schweinestall beherbergte später lange Zeit eine Teppichfabrik. In einem Nebengebäude war eine Schlosserei / Klempnerei untergebracht. Wann der Schornstein der Dampfkesselanlage abgerissen wurde ist uns leider nicht bekannt. Die Gleich Tochter Elisabeth heiratete Adolf vom Einem, den Verfasser des Heftes "Oldendorf und seine Höfe". Nach dem Tod Frau von Einems wurden die Gebäude von der Erbin verkauft.

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Quelle schrifftliche Dokumente und Zeichnungen: La Ha-Pyr. Nr. 13 e 21 - Einrichtung einer Molkerei

Herr Heinz-Herrmann Scholling hat uns noch einige Informationen zu kommen lassen.

"....Im lang gestrecktem Gebäude im hinteren Teil des Hofes befand sich bis in die 50er Jahre die Klempnerei von Robert Sandvoss. Ich habe als Kind oft Emaillekochtöpfe zum löten dort hingebracht.

Im rechten großen Gebäude hat ab 1947 oder 1948 bis Mitte der 50er Jahre eine Fa. Mense eine Strickerei betrieben. Es wurden auf Maschinen Pullover, Jacken und vor allem die berühmt berüchtigten langen brauen Strümpfe, die auch wir Jungen tragen mussten, gestrickt. Meine Mutter war dort im ersten Stock in der Bügelstube beschäftigt.

Der Schornstein muss in den 50er Jahren nach Schließung der Strickerei abgetragen worden sein."

 

Der Verlag Th. Mann hat uns freundlicherweise Informationen über den Molkerei- und Verlagsgründer Theophil Mann zur Verfügung gestellt.  th.mann 2

Bildquelle: Deutsche Milchwirtschft 19/1997 Verlag Th. Mann Essen