WASSERMÜHLE OLDENDORF - gelegen an der Saale - Hof Nr. 8

Mühlen waren über Jahrhunderte die effektivste Art der Energiegewinnung: Wind oder Wasser trieben die Flügel oder Schaufelräder der Mühlen an und nahmen den Menschen wichtige Arbeit bei der Herstellung des täglichen Brotes ab. In Niedersachsen zählt man noch heute ca. 800 Wasser- und 600 Windmühlen. Die Wassermühlen konnten früher aufgrund ausreichender Wasserversorgung ganzjährig betrieben werden.

Wassermühlen sind die ältesten nachgewiesenen Mühlentypen. Die Erfindung des Wasserrads stellte einen Meilenstein in der Entwicklung der Technik dar, da durch die Nutzung der Wasserkraft gegenüber der Muskelkraft zusätzlich mechanische Energie nutzbar gemacht werden konnte. Zu Anfang dienten Wasserräder der Bewässerung in der Landwirtschaft, als Schöpfrad zum Heben von Wasser. Man geht davon aus, dass die ersten Wasserschöpfräder um 1200 v. Chr. in Mesopotamien betrieben wurden. Sie werden bei uns bereits im frühen Mittelalter im Zusammenhang mit Klosteranlagen genannt. Erste Windmühlenstandorte sind im späten Mittelalter bzw. in früher Neuzeit nachgewiesen.

1433 wurde die an der Saale gelegene Mühle erstmals urkundlich erwähnt.

Vermutlich hatte Oldendorf zwei Mühlen. Im Jahre 1433 schenkte Graf Moritz von Spiegelberg mit Zustimmung des Bischofs Magnus von Hildesheim den Zehnten von Spiegelberg und die Mühle zu Oldendorf dem Kloster Marienau. Diese Mühle scheint die Vorgängerin der heutigen Mühle (Haus Nr. 8) zu sein. Mit dieser wurde am 05.01.1634 Curdt Wihsmar mit allem Zubehör belehnt.

Die Mühle wurde auch unter Hägerdörfer erwähnt. Die Hägerdörfer wurden Anfang des 12 Jahrhunderts gegründet durch planmäßige Ansiedlung flämischer Einwanderer im Bergwald (im 'Hagen'). Das Bistum Hildesheim wie auch später die Edelherren von Homburg wirkten bei dieser Kolonisationsarbeit bahnbrechend. Die Häger wurden mit allerlei Vorrechten begnadigt. Sie unterstanden einem genossenschaftlichen Recht, das gehandhabt wurde im Hägergericht unter Vorsitz eines Hägerjunkers. Ein Hägergericht wurde noch 1637 vor dem Kruge in Marienau gehalten. Einzelne Höfe zu Marienau, Ahrenfeld, Lauenstein sowie die Mühle zu Oldendorf werden urkundlich als 'hägerisch' bezeichnet. - Laut Wilhelm Barner unter: Ha:Hann.19 d I 128. Falz.4- - Ha: Depos, 5, I.e, IX (KastenIV) -

 

Die andere Mühle lag an der Oldendorfer-Benstorfer Grenze. Die Flurkarte weist an dieser Stelle den Flurnamen "die wüste Mühle" nach.

Alte Hausinschrift

 

Mhle ganz alt

Hof 8

Lauen in Hemmendorf                       1583

Wißmer, Hans                                    1595

Wißmer, Hans                                    1595

Wißmer, Cord                                    1634

Wißmer, Heinrich                               1675

Düfel                                                  1689

Jacken, Henni                                    1691

Wißmer, Johann-Heinrich                   1707

Wißmer, Johann-Henning                   1735

Wißmer, Heinrich                                1762

Wißmer, Christian-Ferdinand             1803

Wißmer, Heinrich-Konrad                   1815

Kirschmeyer-Heinrich-Friedrich          1851

Sander, Wilhelm                                 1859

Sander, Wilhelm

                                                                                                                                                                                                                            

1863     22 Morgen, gelegen im Dorfe die Hofstelle daselbst der Garten beim Haus, auf dem Knicke, im Dorfe die Sägemühle, daselbst der Garten, bei derselben auch Wiese, im Wellborn, im breiten Busche auch Wiese.  (Quelle Adolf von Einem - Oldendorf und seine Höfe - Hof 8)

 

Muehle alt

1859 kaufte Wilhelm Sander, der Urgroßvater des heutigen Eigentümers, das 4000 qm große Mühlenanwesen. Damals lagen links der Saale die Wohn- und Mühlengebäude, rechts ein Sägewerk mit Wasserrad, das bis 1911 in Betrieb war.

Mit dem Einbau einer Wasserturbine im Jahre 1909 konnte elektrischer Strom erzeugt und verkauft werden. Die Nachfrage nach der neuen Energie stieg so rasant an, dass die Wasserkraft als Energiequelle nicht mehr ausreichte. Um den Strombedarf zu decken, wurden eine Sauggasanlage und ein Teerölmotor installiert. Das benötigte Gas wurde an Ort und Stelle aus Braunkohle gewonnen.

Die Orte Ahrenfeld, Benstorf und Oldendorf konnten so mit elektrischem Strom versorgt werden. Erzeugt wurde Gleichstrom mit einer Netzspannung von 220 Volt für Lichtstrom und 440 Volt für Kraftstrom.

 

1952 wurde das Stromlieferrecht an die Wesertal GmbH in Hameln verkauft. Danach begann für die genannten Orte die Umstellung von Gleich- auf Wechselstrom.

 

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 Teeroelmotor 200 PS           Saugmotor 160 PS

Die Mühle stellte Mehl für die umliegenden Bäckereien und für private Haushalte her, außerdem Getreideschrot für landwirtschaftliche Betriebe. Ihre Vermahlungskapazität betrug 5 t in 24 Stunden. Nach dem Krieg wurde die Mühle etliche Jahre von Müllermeister Bernhard Scholz betrieben. Die Familie Scholz wohnte nach der Vertreibung aus ihrer Heimat 1950 im Haus Nr. 20 in Oldendorf. (Haus-Nr. 20 damals Landwirt Fritz Grimpe). Nicht nur die Landwirte, sondern auch Einwohner welche auf einem kleineren Stück Land Getreide ernteten, ließen dieses in der Mühle zu Mehl für den Haushalt oder Schrot zur Fütterung für das Hausschwein verarbeiten. Heinz-Hermann Scholling erzählt uns, dass auch er mit einer kleineren Menge Getreide in die Mühle geschickt wurde. Für ihn immer eine spannende Angelegenheit.

1959 wurde die Mühle stillgelegt.

Einige Jahre betrieb die Firma Falke eine Landhandel-Zweigstelle in der alten Mühle in Oldendorf.

1964 begann Wilhelm Sander die zwei Turbinen zu reaktivieren um Strom für den Eigenbedarf zu erzeugen. Seit 1968 wird die überschüssige Energie in das öffentliche Stromnetz eingespeist.

Seit das Monopol der Stromlieferanten 1998 wegfiel, versorgt er zusätzlich die auf dem Grundstück arbeitende Jugendwerkstatt mit Elektrizität.

 

        Haus vorne        Saale Turbine

 

Anmerkungen zum Betrieb der Wasser- und Windmühlen:

Als Müller wird bezeichnet dem die Herstellung von Mehl, Futtermittel oder Pflanzenöl obliegt. Das Recht für die Anlage, also Bau und den Betrieb von Mühlen wurde im Mittelalter als Mühlenrecht oder Mühlengerechtigkeit bezeichnet. Ab dem Mittelalter waren Wasserräder als Antrieb von Mahlmühlen in ganz West- und Mitteleuropa verbreitet.

Eine ausreichende Wasserversorgung war ein wichtiger Punkt in der Standortbewertung, ebenso wesentlich waren auch die notwendigen Wasserrechte um ein Wasserrad zu betreiben. Zur Verbesserung und Sicherung der Mühlenleistung angelegte Mühlenstaue sind an kleinen Gewässern oft noch als Mühlenteiche erhalten. Ab dem 17. Jahrhundert fanden wasserkraftgetriebene Maschinen starke Verwendung im vorindustriellen Gewerbe.

Auch bei den Wassermühlen gab es technische Weiterentwicklungen. Prägend war das 19. Jahrhundert, als die Wasserräder durch neu entwickelte Turbinen mit erheblich höherer Leistungsausbeute ersetzt wurden. Gerade bei den Industriemühlen - zunächst mit Wasserkraft betrieben - war diese maßgebend für einen enormen Entwicklungsschub. Dieser erfolgte hier jedoch nicht nur bei der Antriebskraft, sondern auch bei der Weiterentwicklung der Vermahlungstechnik von den bekannten Mahlsteinen hin zu den Walzenstühlen. Letztendlich führte dies zu immer feineren Mehlsorten.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ermöglichten die aufkommenden Wasserturbinen viel größere Wassermengen und höhere Gefälle auszunutzen. Durch die Einführung der Elektrizität musste die Energie nicht mehr vor Ort mechanisch übertragen werden, sondern konnte in elektrischen Strom umgewandelt werden. Es entstanden Wasserkraftwerke, welche auf Grund ihrer Größe kostengünstiger produzieren konnten und die kleinen Kraftwerke mit Wasserrad allmählich verdrängten.

Die industriellen Großmühlen verdrängten mehr und mehr die kleinen klassischen Handwerksmühlen. Sie wurden unwirtschaftlich, so dass es Ende des 19. Jahrhunderts zu einem „Mühlensterben“ kam. 1957 wurde das bundesweite "Mühlengesetz" verabschiedet, das für hunderte von historischen Wind- und Wassermühlen das Ende bedeutete: Über sogenannte "Stillegungsprämien" gaben die unrentabel gewordenen Kleinmühlen ihren Mahlbetrieb auf. Nur wenige kleine Mühlenbetriebe versuchten, gegen die Konkurrenz der Großmühlen zu bestehen.

Quelle: Einige Angaben zur Mühle Sander in Oldendorf vom Besitzer Wilhelm Sander in Niedersächsische Mühlenstraße - verschiedene Recherche in Oldendorf und Internet - Alte Fotos teilweise Fotoausstellung 2001 -

Text und neue Fotos von CHP