GESCHÄFT MÖHRING

Einige von uns können sich noch an das Textilwaren Geschäft Wilhelm Möhring Haus Nr. 97 erinnern. Die Geschäftsreklame am Haus und am Auto lautete:

WILHELM MÖHRING – OLDENDORF – MANUFAKTURWAREN – KONFEKTION – Telefon 311

Wilhelm Mhring JPEG    Lina Mhring JPEG   Haus Pferdef. JPEG

Da damals noch selbst geschneidert wurde, bzw. es auch noch viele Schneiderinnen gab, waren Stoffe und die dazugehörigen Kurzwaren sehr gefragt. Somit gab es im Geschäft Möhring vom Kleiderstoff bis zur Gardinenauswahl alles zu kaufen.

Des weiteren gab es Herren-, Damen- und Kinderbekleidung, Arbeitskleidung für die Männer, Schürzen und Kittel für die Frauen. Pullover, Pullunder Mäntel, Jacken und Joppen, dazu auch Mützen und Hüte. Unterwäsche, Strumpfwaren, Trikotagen, Haarspangen und andere Kurzwaren. Unter den vielen verschiedenen Stoffarten gab es auch 'Inlett', das war der Stoff für Federbetten und Kopfkissen. Dieses Inlett wurde von der Schneiderin zu Ober- und Unterbetten (welche in fast jedem Bett unter dem Bettlaken lag) und Kopfkissen verarbeitet. Auf dem großen Bodenraum oben im Haus Möhring wurden die 'Inletts' dann von Hand gestopft. Keine sehr angenehme Arbeit. Die Älteren unter uns können sich dieses noch vorstellen. Man lieferte Federn von den eigenen Gänsen und Enten, bzw. konnte im Geschäft Möhring Federn erwerben. Es gab Halbdaunen und Daunen, welche sich je nach Qualität im Preis unterschieden. Auch die Größe der Federbetten war unterschiedlich, 'Einschläfrig' oder 'Zweischläfrig' wie man so schön sagte. Die Kopfkissen wurden in einer Größe gefertigt und zwar 80x80 cm. Natürlich wurde auch die dazu gehörende Bettwäsche angeboten.

So ein Geschäft können sich die jungen Leute heute gar nicht mehr vorstellen. Heute fährt man in die Stadt oder bestellt im Internet. Damals wurde alles im Dorf eingekauft und Autos gab es ab den 1930er Jahren zuerst nur wenige im Dorf.

Haus Auto JPEG    

In den 30er Jahren schaffte sich Wilhelm Möhring dann das erste Auto an. Getankt wurde bei der Tankstelle Habenicht gleich um die  Ecke und dort wurden auch die notwendigen Reparaturen in der Autowerkstatt ausgeführt.

Wilhelm Möhring (* 02.09. 1879), wurde als ältester von 10 Kindern, in Coppenbrügge geboren. Er wurde Kaufmann und gründete in Coppenbrügge sein 1. Geschäft, welches er auch nach seiner Heirat 1905 mit der Oldendorferin Karoline Schmull (*04.08. 1885) weiter betrieb. Als Wilhelm Möhring sein 1. Geschäft gegenüber der Burg in Coppenbrügge eröffnete, wurde noch alles mit dem Pferdefuhrwerk erledigt.

 

Geschft Copp. JPEG

 

 

Wilhelm Möhring wohnte dann mit Frau und Tochter Lilli (* Juli 1907 in Oldendorf) im Haus Nr. 97 (heute Hagenstraße Nr. 5) wo sich das Geschäft befand. Wilhelm Möhring fuhr auch 'Über Land' und besuchte seine Kunden in den umliegenden Dörfern. Dafür war der angefügte Wandergewerbeschein erforderlich. Wenn er 'über Land' fuhr, bediente seine Frau Lina allein die Kunden im Laden. Wie es zur damaligen Zeit üblich war, kam regelmäßig eine Frau Hennecke (wohnte schräg gegenüber) zum Wäsche waschen und erledigte auch die anderen anfallenden Hausarbeiten.

Wilhelm Möhring starb im Mai 1940 mit 60 Jahren an Krebs. Seine Frau Lina erhielt das Geschäft weiter aufrecht, obwohl es in den Kriegsjahren kaum Waren gab. Tochter Lilli, verheiratet mit Lehrer Blume, welche 1935 mit ihrer Familie nach Barsinghausen gezogen war, verbrachte damals viel Zeit bei der Witwe Möhring. Die Enkelin Ursel und ihre Geschwister waren die ganze Ferienzeit bei der Oma in Oldendorf.

Ursel  Blume blieb  von  Mai bis  zum  Herbst  1940 alleine  dort  und  besuchte  auch  die  Oldendorfer Schule. Später wohnte die  Familie  Ernst  Knoke,  sowie ein Ehepaar  Götze aus  Hannover und  eine  Flüchtlingsfrau  oben  im  Haus.  Der  Laden  wurde   nach  dem  Krieg  wieder  eröffnet. Lina  Möhring verstarb im  September 1964  nach  einem  unglücklichen Sturz, Tochter  Lilli im  März 1965 an einem schweren Krebsleiden.. Der Laden wurde  nach und nach aufgelöst. Bis zum Verkauf des Hauses 1973 wohnte der Enkel Jürgen Blume in dem Haus.

Der Enkelin Ursel Blume ist noch das große goldgerahmte Ölbild in besonderer Erinnerung, welches über dem Schreibtisch im Hause Möhring hing. Ihr Opa Wilhelm war Mitglied im Schützenverein (ebenfalls in der Feuerwehr) und wurde im letzten Jahr, vor Schließung des Vereins während der Kriegsjahre, Schützenkönig. Als Preis erhielt er das Ölgemälde, welches der damalige Vorsitzende Griese (Bauunternehmer) auf einer geschnitzten Holzplatte selbst gemalt hatte. Eine Waldlandschaft mit Felsen, einem Hirsch und Rehen. Unter dem Bild waren Messingplatten mit den Namen der Preisträger angebracht. Sie erinnert sich auch noch daran, das Herr Griese ca. 1947 oder 1948 ihre Oma besuchte um das Bild zu betrachten, welches dann später wieder an den Schützenverein zurück ging.

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Das Haus gehörte den Eltern von Karoline Schmull (genannt Lina). Linas Bruder wurde wie man damals sagte 'ausbezahlt', weil er Miterbe des Hauses war. Frau Ursel Williams, die uns diese ganzen Angaben übermittelt hat, ist sich ziemlich sicher, dass dieser Bruder dann den Hof Schmull in der Dorfstraße übernahm.

Der Vorfahre Wilhelm Schmull (* 14.07.1851 in Brünnighausen, gest. 11.11.1916), hat mit seiner Frau Auguste (*07.01.1848 in Rheden, gest. 13.04.1919) das Haus Möhring gebaut. Wilhelm und Auguste Schmull sind die Urgroßeltern von Ursel Williams, geb. Blume. Der Urgroßvater hat die Balken um die Haustür mit Namen und Jahreszahl 1890 beschnitzt. Er ist Schlossermeister und Schmied gewesen. Was ganz interessant ist, er hat das frühere Gitter um den Friedhof, sowie die kunstvolle geschmiedete Pforte hergestellt. Leider wurde das gesamte Gitter und die Pforte im 2. Weltkrieg für 'wichtigere Zwecke' eingeschmolzen.

Auguste Schmull war ausgebildete Hebamme und besuchte die Frauen, wenn sie bei den Hausgeburten ihre Hilfe brauchten, mit dem Fahrrad. Dieses alte schwere Fahrrad wurde von der Familie Möhring noch bis nach dem 2. Weltkrieg benutzt.

Geschrieben von CHP

Die Enkelin Ursel William (* 1930), geb. Blume, hat uns diese und noch viel mehr Angaben gemacht und viele Bilder übermittelt. Ebenfalls eine Ahnentafel, erstellt von ihrer Schwester Gisela Blume ( * 1929). Gisela Blume mußte während ihrer Schulzeit die Ahnentafel anfertigen. An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich bei Frau Ursel Williams (lebt jetzt in England) für das viele zur Verfügung gestellte Material und die vielen Fotos bedanken. Da es so viel ist, können wir nur einen Teil auf unserer Internetseite veröffentlichen, das andere Material wird für die Oldendorfer Chronik aufgehoben.