DIE BAHNHOFSGASTSTÄTTE

Die Bahnhofsgaststätte im Bahnhof Osterwald wurde ganz viele Jahre von den Eheleuten Wibranetz betrieben. Gastwirtsleute wie das Ehepaar Wibranetz findet man heute nur noch äußerst selten - Vorheriger Pächter der Bahnhofsgaststätte waren  Theodor Jaron und Frau.

Seit 2001 musste Presseberichten zufolge in Deutschland jede vierte Gaststätte schließen. Mit dem Wirtshaus, der 'Kneipe', verschwindet eine Einrichtung mit hohem sozialem und kulturellem Stellenwert aus den Gemeinden. Als Ursachen tragen teilweise der Bevölkerungsrückgang auf dem Land, der Zuwachs an Mobilität, Veränderungen von Arbeitswelt und Freizeitverhalten bei.

Waren früher viele im Ort beschäftigt und hatten feste Arbeitszeiten, weiß heute durch flexible Arbeitszeiten und das Pendeln keiner, wann er heimkommt – die Zeit im Ort ist deutlich kürzer geworden. Früher kamen die Leute oft noch auf ein Feierabendbier in ihrer Stammkneipe vorbei.

Der Stammtisch findet heute online statt. Man muss nicht mehr zu bestimmten Zeiten in die Kneipe gehen, sondern man trifft sich sozusagen rund um die Uhr in den neuen Medien. Junge Betreiber von 'Dorfkneipen' gibt es kaum noch. In den Zeiten wo die Dorfgaststätten noch gefragt waren warf man zum Musikhören noch Münzen in eine Musikbox. Heute haben die Leute ihre eigene Musik einfach auf dem Handy mit dabei. In diesem Bereich hat sich ein drastischer Wandel vollzogen. Das spiegelt sich aber auch im Verhalten der jungen Generation wieder. Während die Dorfneuigkeiten früher in der Kneipe ausgetauscht wurden, geschieht dieses heute überwiegend mit dem Handy.

Ein Gastwirt mit Leib und Seele und ein besonderes 'Unikat' war Kurt Wibranetz * 1924 genannt 'Pflaume'

mit Ehefrau Ursula Wibranetz  genannt 'Uschi'.

Bierdeckel hinten

       Ehepaar         Bierdeckel vorne 

Kurt Wibranetz war ein hervorragender Gastwirt, gesprächig, gut gelaunt und beliebt bei den Gästen und seinen vielen Stammgästen, ebenso Uschi, seine Ehefrau.

Uschi war auch für das leibliche Wohl der Gäste zuständig.

    Stammtisch     BrotzeitMusikbox

Kurt

 

Woher hatte Kurt Wibranetz eigentlich den Spitznamen "Pflaume"? Als 'Fußballer' bei Blau-Weiß Salzhemmendorf war er sehr bekannt. Irgendwann hat er wohl mal einen groben Fehler beim Spielen gemacht und es rief jemand: "Kurt, Du Pflaume!!" Seit dem hatte er den Spitznamen 'Pflaume' weg. Es sagte keiner: "Ich gehe in die Bahnhofsgaststätte." - Es hieß einfach: "Ich gehe zu Pflaume!" -

Bei 'Pflaume' war sogar Heiligabend und Weihnachten geöffnet. Egal ob Sonn- oder Feiertag, die Züge fuhren und somit kamen auch Gäste auf einen 'Schnack' und ein Bierchen vorbei.

Durch die vielen Stammgäste, welche regelmäßig kamen, war in der Gaststätte immer etwas los. Karten wurde gespielt, geknobelt, Fernsehen geschaut und etliche kamen regelmäßig Mittag essen. Sonntags gab es natürlich auch den 'Frühschoppen' zu dem die Männer kamen. - Hier eine kleine Begebenheit: Eine Frau schickte ihren Sohn los. "Geh doch mal zu Pflaume und sage Papa er soll zum Mittagessen nach Hause kommen."  - In der Gaststätte angekommen, wurde er von Kurt Wibranetz gefragt:"Na, mein Junge was möchtest Du denn?" - Ganz wichtig antwortete er: " Herr Pflaume, mein Vater soll zum Essen nach Hause kommen." Er verstand nicht warum alle in Gelächter ausbrachen. Wie sollte er auch wissen, dass der Gastwirt nicht Pflaume mit Nachnamen, sondern Wibranetz hieß.  - Silvester war die Gaststätte immer besonders gut besucht, denn dann wurde dort tüchtig gefeiert.

 

Uschi

Die drei Kinder des Ehepaares mußten viel auf Ihre Eltern verzichten und wuchsen überwiegend bei den Großeltern Wiebranetz auf. Als die Kinder größer wurden, war die Gaststätte ihr zweites Zuhause. Nach dem viel zu frühen Tod von Kurt Wibranetz führte Uschi die Bahnhofsgaststätte noch viele Jahre alleine weiter. Ihre Zwillingsschwester Gisela half ihr oft.

Am 31.12. 1989 endete das Mietsverhältnis zwischen Ursula Wibranetz und der Deutschen Bundesbahn. So ging die lange 'Ära' dieser alten Gaststätte zu Ende. Es wurde durch den Vermieter, Deutsche Bundesbahn, auch kein neuer Pächter gesucht sondern über die Räumlichkeiten der Gaststätte anders verfügt. Das gesamte Bahngebäude ist an einen Privatmann verkauft worden und in Mietwohnungen umgestaltet.

Adresse

Übrigens einen Teil der ehemaligen Gaststätteneinrichtung findet man bei der ältesten Tochter in der Gartenlaube in Hemmendorf wieder, Das Ehepaar Wibranetz hatte seinen privaten Wohnsitz in Hemmendorf.

 Bahnhof 1980

Text CHP - Wir bedanken uns ganz herzlich bei Frau Kreis für das zur Verfügung gestellte Material.